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19.09.2017

Herbstgespräch 2017

Anselm Bilgri im Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk

Wer „TSBW“ sagt, muss unweigerlich auch „Herbstgespräch“ sagen: Denn diese Veranstaltung, die das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk jedes Jahr ausrichtet, ist ein guter, alter Brauch, um gegen Ende des Sommers noch einmal zusammenzukommen und „danke“ zu sagen für zuverlässige Kooperation und Unterstützung in jeglicher Hinsicht. Beim „Herbstgespräch“ trifft man alte Bekannte und knüpft neue Verbindungen – stets vor dem Hintergrund eines Vortrags von einem namhaften Redner: Interessant, intelligent und gut für viele gedankliche Anstöße, etwas im eigenen Umfeld zu verbessern oder eher zu erkennen. Anselm Bilgri war der Referent der diesjährigen Veranstaltung, ein ehemaliger Benediktinermönch, ein rundlicher, freundlicher Herr in Weste und Gehrock mit charmantem bayerischen Akzent und scharfem Verstand.
„Entscheiden und unterscheiden – von der Kunst, das Richtige zu tun“ – so lautete der Titel seines Referats. Die „Seele“ der europäischen Wirtschaftsgeschichte geht nach Bilgris Ansicht zurück auf den alten lateinischen Spruch „ora et labora“ – „bete und arbeite“, was die Spiritualität und die Arbeit gleichwertig macht und auf das hohe Arbeitsethos in Europa hinweist. Auch zog er eine Sammlung durch und durch weiser Ratschläge des heiligen Benedikt heran, die von diesem wahrscheinlich im Jahre 529 n. Chr. verfasst wurde. Trotz seines immensen Alters von rund 1.500 Jahren hat der Ratgeber nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Die Führung von Mitarbeitenden fuße immer noch auf dem Gebot des „Horchens“, des eifrig Zuhörens“: So sei einerseits das Motto „wer fragt, der führt“ ein wichtiges Führungsprinzips des „Meisters“, andererseits funktioniere ein Miteinander nur, wenn die andere Seite auf die Weisung „höre“, den Rat verinnerliche und annehme und erst dann zur Tat schreite. So sei nach des heiligen Benedikts Worten sogar der Abt zum „Horchen“, also Zuhören verpflichtet. Auf das „Horchen“ oder das wertfreie Beobachten folgt das Überdenken und Annehmen, das Wahrnehmen im eigenen Wertesystem – was freilich nur funktioniert, wenn Vertrauen vorhanden ist – in jede Richtung der Hierarchie. „Ein Unternehmen besteht in der Hauptsache aus Kommunikation“, so Bilgri – und es gebe auf das Annehmen folgend keine richtige oder falsche Entscheidung: „Falsch ist es nur, nichts zu entscheiden. Wenn sich eine Entscheidung als ‚falsch‘ erweist, muss sie korrigiert werden. Wir verbinden oft das Scheitern einer Entscheidung mit Schuld.“ Oft rühren Konflikte auch daher, „dass wir für andere Menschen das Maß festsetzen.“ Ein Vorgesetzter müsse die Gabe der Unterscheidung haben: Die Mitarbeitenden wahrnehmen in ihrer Unterschiedlichkeit, ihnen individuell gerecht werden, denn jeder hat etwas, das ihn von anderen unterscheidet, ihn unverwechselbar und kostbar macht. Diese individuelle Betrachtung ist freilich so gut wie unmöglich in großen Massengesellschaften.
Bilgri ist Jahrgang 1953 und stammt aus Unterhaching bei München. Er trat im Jahre 1975 in die Benediktinerabei Sankt Bonifaz in München und Andechs ein und studierte Philosophie und Theologie in München, Rom und Passau. Er war Cellerar – also Kellermeister beziehungsweise Wirtschaftsleiter -der Abtei Sankt Bonifaz in München und Andechs. Etwa 20 Jahre lang leitete er deren Brauerei. Er schied aus dem Kloster und dem Benediktiner-Orden aus und gründete ein Beratungsunternehmen. Heute ist er Coach, Dozent, Referent und Autor mehrerer Bücher.
„Es stellt sich immer wieder die Frage, wie wir die jungen Menschen mitnehmen und sie fit machen für eine sich rasant entwickelnde Zeit und die ihr innewohnende, ungeheure Dynamik“, so TSBW-Geschäftsführer Jürgen Vollrath-Naumann. Er dankte allen Partnern – besonders auch den Kostenträgern -, die dem Berufsnachwuchs Praktikums- und Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und alle Beteiligten voranbringen, fördern und fordern und Unterstützung gewähren in der unterschiedlichsten Form.

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