Matomo - Web Analytics

Festakt: Fünf Jahre Aktionsplan im Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk

06. September 2019 , Sonja Wenzel

Festakt: Fünf Jahre Aktionsplan im Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk

„Inklusion ist ein Herzensanliegen der Landesregierung“, sagte Dr. Heiner Garg während der Feierlichkeiten zu „Fünf Jahre Aktionsplan“ des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks (TSBW) in Husum. Gemeinsam mit geladenen Gästen aus verschiedenen Institutionen, sowie aus Politik und Wirtschaft wurde auf das Erreichte zurückgeschaut und ein Blick in die Zukunft gewagt.  Ein entschiedenes NEIN zugesellschaftlicher Ausgrenzung In einer„starken, weilvielfältigen Gesellschaft“ seien alle gleichvielwert undmit den gleichen Rechten ausgestattet, so Heiner Garg, Minister für Soziales und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein. Der „Aktionsplan“ des TSBW sei ein konkreter Plan zu gesellschaftlicher Teilhabe, Anerkennung und Gleichberechtigung. Als erstes Berufsbildungswerk inDeutschland hat das TSBW diesen Plan ins Leben gerufen.Es leistetdamit einen konkreten Beitragzur Umsetzungder UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Anvisiert wird eine Verbesserung der Chancen aller Teilnehmenden auf dem ersten Arbeitsmarkt, wenn sie ihre Ausbildung im TSBW abgeschlossen haben. Der Aktionsplan ruht auf den Säulen „Mitbestimmung der Teilnehmenden“, wobei Wünsche und Bedarfe gemeinsam verabredet werden, sowie auf der „Verzahnten Ausbildung mit Berufsbildungswerken“ (VAmB): Diese umfasst eine bis zu einjährige Vervollständigung der Ausbildung in einem Unternehmen. Die positive Bilanz des Aktionsplans gibt seinen Machern Recht - oder, wie Minister Garg betonte: „Der Weg des TSBW ist der richtige.“ Immer noch viele Vorurteile „Sie sind das Flaggschiff, weil Sie das erste Berufsbildungswerk im Bundesgebiet sind“, sagte Margit Haupt-Koopmann, Schirmherrin des Aktionsplans und Vorsitzende der Geschäftsleitung der Regionaldirektion Nord. „Sie lassen Worten Taten folgen mit einer engagierten Mannschaft, die die Theorie in die Praxis umsetzt“, fuhr sie fort und gratulierte zum Erfolg. Mit dem Plan werde die Selbstständigkeit und Verantwortungsgefühl gefördert sowie eine Ausbildung realisiert, wie man sie sich wünsche. Dennoch: „Immer noch halten sich Vorurteile hartnäckig. Rund 80 Prozent der Menschen mit Behinderungen sieht man diese nicht an. Der Arbeitsmarkt boomt, trotzdem ist die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen nur um zwei Prozent zurückgegangen, diejenige von Menschen ohne Behinderungen allerdings um acht Prozent.“ Viele Betriebe ab 20 Mitarbeitenden erfüllen ihre Pflichtquote zur Einstellung von Menschen mit Behinderungen nicht, zahlen dafür aber eine Ausgleichsabgabe. Dramatisch sei, dass rund 7.600 Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein aus der „Pflichtquote“ nicht besetzt seien. Hier liege viel Potenzial brach, denn: „Es sind wertvolle Mitarbeitende, die treu zum Unternehmen halten und es engagiert voranbringen“, so Margit Haupt-Koopmann. Demokratie braucht Inklusion Gastredner Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, bezeichnete Inklusion als „Betriebssystem unserer Demokratie“. Ein gutes Gemeinwesen sei ohne Inklusion nicht möglich – Demokratie und Inklusion seien die beiden Seiten ein und derselben Medaille. Inklusion gelte inallen Lebensbereichen. Essei vornehmstePflicht desStaates den Humus dafür zu bereiten, dass die rund 13 Millionen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen in Deutschland die Rechte der Teilhabe und des „Wahrgenommen Werdens“ leben können. „Inklusion fokussiert sich immer noch auf die Bereiche Erziehung und Bildung sowie auf das Leben in der Öffentlichkeit – doch es geht auch um die privaten Bereiche wie Wohnen, Freizeit, Kommunikation, Gesundheit und Pflege“, so Dusel. Inklusion scheitere häufig an banalen Dingen: „Versuchen Sie als sehbehinderter Mensch an einem Geldautomaten Geld abzuheben. Sie werden scheitern, weil die Automaten nicht einheitlich gestaltet sind“, erläuterte er. Inklusion sei mehr als nur „nett sein“. Sie sei kein Ausfluss eines humanistischen oder christlichen Weltbilds, sondern ein selbstverständlicher Teil des Lebens und gelinge mit Wissen und Herzensbildung. Die Weichen wurden gestellt bevor der Begriff „Inklusion“ geprägt wurde „Das TSBW zeichnet sich dadurch aus, dass es sein Ausbildungsangebot erweitert, verändert und optimiert für den ersten Arbeitsmarkt“, sagte Petra Spaetling-Fichtner vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Dies ermögliche einen guten Startin ein selbstbestimmtes Leben. Angesichts einer rasant voranschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt sei der Blickwinkel der jungen Leute sowie der Dialog mit ihnen enorm wichtig, so TSBW-Chef Hans-Jürgen Vollrath-Naumann. „Dadurch gewinnen wir alle.“ Für viele Prozesse brauche die ältere Generation die Unterstützung der jungen Menschen, da ein Schritthalten mit der Entwicklung nicht immer möglich sei. Dieser Sichtweise schloss sich Henrik Meyer von der Geschäftsführung der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie (NGD) an: „Ich weiß den Dialog zu schätzen. Wichtig ist es, verschiedene Perspektiven konstruktiv unter einen Hut zu bringen, alle Beteiligten mit ins Boot zu nehmen und Planumsetzungen nur im Team durchzuführen. “Inklusion heißt„ immer auf Augenhöhe“ In einer anschließenden Diskussionsrunde fühlten sich die Auszubildenden Sophie Behne und Alexander Korb von der Teilnehmendenvertretung stets „ernst genommen und auf Augenhöhe“. Vollrath-Naumann fand die passenden Abschlussworte: „Wir werden nicht nachlassen, weiterhin achtgeben und uns den Herausforderungen der Zukunft stellen. Dennoch erfüllt mich mit Stolz, was wir bis zu diesem Zeitpunkt vollbracht haben.“ Die Veranstaltung wurde charmant moderiert von der Auszubildenden Hanna Uck. Ein einfallsreiches kalt-warmes Buffet hielten Thomas Friess, Küchenchef und Restaurantleiter vom Gasthaus „Handwerkerhaus“ und sein Team nach dem Festakt bereit.

Text und Fotos: Sonja Wenzel